Testbericht: Wie gut ist das Samyang 35mm f/1.4 II (Review)
Ich bin auf der Suche nach dem besten 35mm für Sony. Daher habe ich das Samyang 35mm f/1.4 getestet. Wie gut ist ein lichtstarkes Blende 1.4 Objektiv für unter 500 EUR wirklich?
Das Thema Schärfe wird dabei den größten Schwerpunkt einnehmen. Ehe wir uns darin verlieren, aber alle anderen Details zur Linse davor.
Generelle Verarbeitung
Für ein Objektiv mit einer Lichtstärke von f/1.4 ist die Größe absolut im Rahmen. Solche Linsen sind nun mal etwas wuchtiger, das gehört einfach dazu. Nach ein paar Stunden Fotografieren spürt man das Gewicht an der Schulter schon ein bisschen, aber das kann auch mangelnde Gewohnheit meinerseits sein. Denn in der Regel bin ich deutlich kleiner und leichter unterwegs.
Das Gehäuse wirkt solide, auch wenn man beim Anfassen merkt, dass hier ein bisschen Kunststoff im Spiel ist. Es fühlt sich nicht billig an, aber eben auch nicht nach Panzerstahl.
Insgesamt kommt das Objektiv auf ein Gewicht von 659 Gramm.
Den Fokusring empfinde ich als sehr angenhm. Er läuft butterweich und hat genau den richtigen Widerstand. Wer gern manuell fokussiert, wird hier richtig glücklich. Die Oberfläche ist leicht geriffelt und gibt ein angenehmes Gefühl unter den Fingern – so, wie man es sich wünscht, wenn man konzentriert an einem Bild arbeitet.
An der Seite gibt es einen Funktionsknopf, sowie einen Modus-Schalter, den man frei belegen kann. Ich selbst nutze solche Funktionen eigentlich nicht, aber frühere Versionen des Objektives wurden dafür kritisiert, keine Funktionsknöpfe zu haben. Dieser Kritikpunkt ist nun also überflüssig.
Ein kleiner Bonus: Samyang spricht selbst von einem „Weather-Sealing“, also einem Schutz vor Staub und Feuchtigkeit auf seinem Objektiv.
Wie zuverlässig das Ganze ist, kann ich nicht wirklich beurteilen – ich renne selten mit der Kamera durch den Regen. Und selbst wenn habe ich meist einen Schirm dabei, sodass mein Equipment selten richtig nass wird.
Einen für Weather sealing typischen dichten Gummiring am Anschluss konnte ich jedenfalls nicht erkennen, aber immerhin hat Samyang hier überhaupt etwas integriert. In dieser Preisklasse ist das keine Selbstverständlichkeit.
Alles in allem fühlt sich das Samyang 35mm f1.4 II gut verarbeitet an. Nicht perfekt, aber durchdacht.
Autofokus & Lens Flares
Der Autofokus vom Samyang 35mm f1.4 II ist genau so, wie man ihn sich wünscht: unauffällig und zuverlässig.
Er arbeitet mit einem STM-Motor, was technisch erstmal trocken klingt, in der Praxis aber einfach bedeutet: schnell und leise.
Auch der Augen-Autofokus funktioniert richtig gut. Sobald die Kamera ein Gesicht erkennt, klebt der Fokus förmlich an den Augen.
Auserdem hat das Objektiv auch eine solide Naheinstellgrenze. Der Autofokus stellt problemlos alles scharf, das etwa eine halbe Armlänge von dir entfernt ist. Wer also z.B. Portraits aufnehmen will, kann damit problemlos formatfüllend einen Kopf fotografieren.
Was mich wirklich überrascht hat, sind die Lens Flares – oder besser gesagt: wie wenig davon zu sehen ist.
Ich hab das Objektiv absichtlich gegen die Sonne gehalten, um es herauszufordern. Normalerweise tanzen dann kleine bunte Flecken durchs Bild, und das kann schnell nerven.
Beim Samyang war das anders. Klar, manchmal sieht man ein leichtes Glühen, aber das ist so dezent, dass es fast schon charmant wirkt. Andere Linsen, die ich ausprobiert habe, geben da viel schneller auf und liefern ein wahres Feuerwerk an Reflexen.
Schärfe - Die positiven Aspekte
Über das Thema Schärfe habe ich gleich noch genug zu meckern. Davor aber auch hier erst einmal die positiven Aspekte. Übrigens bin ich jemand, der Objektive realisitisch auf der Straße testet und nicht einfach nur Testcharts fotografiert. Wenn du Testchart-Fotografen für 1:1 Vergleiche suchst, bist du bei mir an der falschen Stelle.
Jetzt aber zu den postiven Aspekten:
Ich hab ehrlich gesagt nicht erwartet, dass ein Objektiv in dieser Preisklasse bei der Schärfe so abliefern kann, solange du abblendest.
In einer Situation habe ich bei Blende 2.8 fotografiert – eine Frau im Vordergrund, ein bisschen Wind, die Haare flogen leicht durch die Luft. Und als ich später ins Bild reingezoomt habe, konnte ich einzelne Haarsträhnen klar erkennen. Das ist wirklich brutal gute Schärfe.
Gerade wenn du die Fotos gleich in meinen negativen Aspekten siehst, hätte ich hier nicht mit so einem Ergebnis gerechnet. Die Details sitzen einfach.
Und das zieht sich auch durch andere Blendenbereiche in dieser Region. Bei Blende 4 zum Beispiel – meiner Lieblingsblende für Streetfotos – bleibt die Schärfe richtig stark. Ich hab das Objektiv da sehr häufig genutzt und nie das Gefühl gehabt, dass da irgendwas matschig wird oder die Details verloren gehen.
Selbst bei Nacht, mit Blende 2, wo viele Objektive anfangen zu schwächeln, liefert das Samyang noch ein sehr brauchbares, scharfes Bild. Natürlich ist da nicht alles perfekt – das wäre auch unrealistisch – aber insgesamt ist die Leistung beeindruckend stabil.
Wer abblendet bekommt hier Schärfe, die locker mit teureren Profi-Objektiven mithalten kann.
Schärfe - Die negativen Aspekte
Also, ich muss ganz ehrlich sein: Manchmal macht dieses Objektiv mich echt fertig. Da kauft man sich extra so eine schnelle Linse, weil man diesen magischen Look mit unscharfem Hintergrund liebt.
Man träumt von diesen knackscharfen Augen in Portraits, während alles dahinter in weicher Unschärfe verschwimmt. Aber dann stellst du das Ding auf Blende 1.4 und… puh. Da kommt dann die Enttäuschung.
Ganz ehrlich, die Schärfe bei Offenblende ist unterirdisch. Einfach nur mau. Ich dachte schon, ich spinne, und habe angefangen, Fotos direkt zu vergleichen. Einmal mit Blende 1.4 und dann nochmal mit Blende 4.
Blende 1.4, Fokuspunkt auf dem Gebäude im Hintergrund
Blende 4, Fokuspunkt auf dem Gebäude im Hintergrund
Der Unterschied ist krass. Auf 1.4 sieht das Bild oft einfach nur schwammig aus. Da, wo der Fokuspunkt sein sollte, ist kein knackiger Punkt, sondern so ein kleiner, verschwommener Heiligenschein. Es fühlt sich an, als ob das Bild nie richtig scharf werden wollte. Einfach nur unscharf.
Das hat mich so genervt, dass ich angefangen habe, Blende 1.4 komplett zu meiden. Ich habe lieber mit Blende 2 oder 2.8 fotografiert. Da war es dann plötzlich top! Völlig in Ordnung und so, wie ich es mir erwartet hatte.
Aber dann dachte ich mir immer: Moment mal. Was ist denn der Sinn davon? Ich kaufe mir ein teures 1.4-Objektiv, um es dann wie jedes andere 1.8 oder 2.5 Objektiv zu benutzen? Das fühlte sich fast ein bisschen traurig an, wie eine unerfüllte Liebe.
Was mich dann aber erneut verwirrt hat war eine meiner späteren Runden die ich in der Nacht gedreht habe. An diesem Punkt habe ich Blende 1.4 schon nicht mehr vertraut, wollte aber für den Testbericht wenigstens ein paar weitere Fotos mit Offenblende aufnehmen, um den Ersteindruck zu bestätigen…
Was dann jedoch nicht passiert ist. Stattdessen fand ich Blende 1.4 bei meinen Nachtfotos auf einmal brauchbar. Nicht perfekt, aber bei weitem nicht so unterirdisch wie meine Tests von davor. Jetzt war ich richtig verwirrt.
Blende 1.4 auf einmal doch scharf?
Bis ich das Muster erkannt habe. Wenn du dein Motiv ganz nah vor der Linse hast, bei Portraits aus nächster Nähe zum Beispiel, dann ist die Schärfe auch auf 1.4 vollkommen in Ordnung.
Aber sobald sich dein Motiv ein paar Meter von dir entfernt, etwa ab 5 Metern, ändert sich das drastisch. Die Schärfe löst sich in Luft auf.
Alles wird wieder weich, schwammig und einfach nur frustrierend. Das ist der Punkt, an dem ich einfach nur die Augen verdrehe.
Blende 1.4, nah
Blende 1.4, weiter weg
Bokeh
Ich bin inzwischen niemand mehr, der wahnsinnig viel Wert auf Bokeh legt. Früher hat mich dieser Look richtig fasziniert und ich wollte das alles im Hintergrund so unscharf und weich wie möglich ist.
Heutzutage fotografiere ich so, das in den meisten Fällen mein Foto relativ scharf ist und es kaum noch Bokeh gibt.
Die wenigen Male, bei denen ich aber gezielt Unschärfe im Hintergrund haben wollte fand ich das Bokeh sehr überzeugend. Generell ist es faszinierend, wie unscharf der Hintergrund werden kann, obwohl wir auf 35mm fotografieren.
Einige der Testfotos oben verdeutlichen das ja bereits sehr gut. Aber auch für Portraits kannst du hier teilweise einen sehr schönen Look heraus holen.
Insgesamt finde ich das Bokeh des Samyangs auf jeden Fall sehr ansprechend.
Fazit - Wie gut ist das Samyang 35mm f1.4 Mk. II?
Das Samyang 35mm f1.4 Mk II ist ein solides Objektiv, das ich unter Einschränkungen empfehlen kann. Mein Lieblingsobjektiv wird es nicht werden, aber es gibt durchaus den ein oder anderen Fotografen, der durch das Gesamtpaket angesprochen wird.
Nach ein paar Wochen mit dem Samyang 35mm f1.4 Mk. II hatte ich so ziemlich jede Emotion, die man bei einem Objektiv haben kann: Begeisterung, Frust, Zweifel – einmal das gesamte Paket.
Als ich die ersten Fotos mit offener Blende 1.4 gesehen habe, war ich richtig sauer. Ich dachte mir: Das kann ich niemandem empfehlen. Da kauft man sich so ein Teil und dann sind die Bilder einfach nur unscharf? Das fühlte sich an, als hätte man dir das beste Stück vom Kuchen weggeschnappt. Ich war so unzufrieden, dass ich das Objektiv fast in die Ecke gepackt hätte.
Denn was bringt ein 1.4-Objektiv, wenn man es ständig abblenden muss? Auf Blende 2 oder 2.8 ist es wirklich gut, ja! Aber dann hätte ich mir auch eine kleinere, leichtere und billigere Linse kaufen können. Das war der Punkt, an dem ich das Ganze fast aufgegeben hatte.
Die Wende kam dann mit der Erkenntnis, dass die Offenblende auch funktioniert, aber eben nur, wenn dein Motiv sehr nah vor dir ist. In diesen Situationen muss man eben sein, oder sie sich gezielt suchen.
Das ist also die Wahrheit über dieses Objektiv. Es ist nicht für jeden geeignet. Wenn du der Typ Fotograf bist, der alles und jederzeit mit 1.4 knipsen will, dann wirst du wahrscheinlich fluchen. Es ist zu launisch, zu zickig.
Besonders in der Streetfotografie, wo die Entfernung zu den Menschen immer anders ist, kann es sehr frustrierend sein. Da ist es mir dann auch noch zu groß und zu schwer.
Aber: Wenn du jemand bist, der das Objektiv als Allrounder sieht, der meistens mit Blende 2.8 oder 4 arbeitet und die 1.4 nur als eine Art Notfall-Reserve für besondere Momente benutzt... dann kann es ein interessanter Deal sein. Der Preis ist nun wirklich unschlagbar günstig für so eine lichtstarke Linse.
Am Ende muss man sich eine einfache Frage stellen: Stören mich seine Launen? Kann ich mit seinen Macken leben? Wenn ja, dann bekommst du hier tatsächlich etwas Einzigartiges: ein sehr günstiges 1.4-Objektiv, das in der Nahdistanz seinen Job macht.
Für mich persönlich? In der Streetfotografie greife ich lieber zu meinem kleineren Sony 1.8. Das ist einfach das angenehmere Gesamtpaket für mich. Ich brauche diese 1.4 nicht unbedingt. Aber ich verstehe auch jeden Fotografen, der von dem Gesamtpaket des Samyangs angesprochen wird.
Man kann eben nur keine Wunderwerke erwarten bei diesem Preis.