Wie du als Introvertierter selbstbewusst vor der Kamera wirst

 

Ich bin Youtuber und muss regelmäßig vor der Kamera reden. Gleichzeitig würde ich mich jedoch auch als ziemlich introvertiert beschreiben.

Ich kann mich zwar im sozialen Umfeld ohne Probleme unterhalten, aber selten starte ich von mir aus ein Gespräch und habe auch kein Problem damit alleine zu sein oder schweigend in der Ecke zu sitzen und zuzuhören.

Gerade am Anfang meiner Youtube Karriere war es daher schwierig für mich, selbstbewusst vor der Kamera zu sein. Hier sind einige meiner besten Tipps, wie ich es dennoch geschafft habe!

Damit du ein Gefühl dafür bekommst, auf welchem Level ich bin und ob meine Tipps für dich relevant sein könnten, hier eines meiner aktuellen Videos:

 

1. Fange mit Voiceover an

Wenn du neu dabei bist Videos zu machen und es dir schwerfällt, direkt in die Kamera zu sprechen, dann habe ich einen super Tipp für dich: Fang mit Voiceover an.

Das ist wirklich eine einfache Methode, um dich langsam an das ganze Thema heranzutasten.

Nur deine Stimme aufzunehmen, ohne dein Gesicht zeigen zu müssen ist schon mal deutlich angenehmer. Das nimmt besonders am Anfang viel Druck weg, weil du nicht darüber nachdenken musst, wie du aussiehst oder ob du komisch wirkst.

Du konzentrierst dich einfach nur auf deine Stimme und darauf, was du zu sagen hast. Das ist besonders hilfreich, wenn du noch nicht so viel Erfahrung hast und es dir noch unangenehm ist, direkt in die Linse zu blicken.

Nach und nach kannst du dann anfangen, mehr von dir zu zeigen. Zum Beispiel beginnst du damit, kurze Clips einzubauen, in denen man dich sieht, während du redest.

Du musst nicht gleich ein komplettes Video machen, in dem du die ganze Zeit vor der Kamera sitzt. Nein, fang klein an. Das hilft dir, dich schrittweise an die Kamera zu gewöhnen.

Das Tolle daran ist, dass du auf diese Weise ganz langsam dein Selbstbewusstsein aufbauen kannst.

Am Anfang sieht man dein Gesicht vielleicht gar nicht oder nur sehr selten, und das ist völlig in Ordnung.

Du wirst sehen, dass es mit der Zeit immer leichter wird und es dich gar nicht mehr so nervös macht.

Ich habe das zum Beispiel so gemacht: Ich habe in der Stadt Fotospaziergänge gemacht und im Nachhinein meine Stimme als Voiceover aufgenommen.

Die Leute haben meine Perspektive gesehen, wie ich durch die Stadt gehe und die Fotos mache, die ich später im Video zeige. Gleichzeitig konnte ich meine Gedanken als Voiceover einsprechen.

Solche Videos kommen auf Plattformen wie YouTube echt gut an und sind ein super Start, um dich an das Videomachen zu gewöhnen.

 

2. Starte in einer “sicheren” Umgebung

Außerdem macht es Sinn, sich zu Beginn eine “sichere” Umgebung zum filmen zu suchen, in der man sich wohl und geschützt fühlt.

Ich habe selbst am Anfang bei mir zu Hause mit dem Filmen begonnen. Das war super, weil ich da völlig ungestört war.

Ich habe alle Fenster geschlossen, damit mich draußen niemand hören konnte und auch darauf geachtet, dass sonst niemand in meiner Wohnung war.

Das hat mir wirklich geholfen, weil ich mich am Anfang sehr viel versprochen habe und viele Aufnahmen mehrmals machen musste. Glaub mir, das passiert wirklich jedem, und es ist total normal.

Wenn du alleine in einem Raum bist und niemand dich hört, kannst du dich voll und ganz darauf konzentrieren, was du sagen möchtest.

Du musst dir keine Sorgen machen, dass jemand deine Fehler hört oder dich komisch anschaut. Das nimmt viel Druck weg und hilft dir, dich auf deine Worte und deine Präsentation zu konzentrieren.

Es ist viel einfacher, dich auf deine Aufnahme zu fokussieren, wenn du in einer Umgebung bist, in der du dich wohl fühlst. Das kann dein Zimmer sein, ein kleines Büro oder jeder andere ruhige Ort, wo du ungestört bist.

Starte dort mit deinen ersten Videoaufnahmen. Du wirst merken, wie du mit jeder Aufnahme ein bisschen sicherer wirst.

Erst wenn du dich vor der Kamera in deiner sicheren Umgebung wohl fühlst, kannst du den nächsten Schritt wagen und vielleicht mal draußen filmen.

Aber gleich in der belebten Innenstadt starten zu wollen ist wie den Endboss aus einem Videospiel direkt am Anfang herauszufordern.

Ich kann dir versichern, dass es viel weniger stressig ist, in deiner gewohnten Umgebung zu starten, als gleich auf der Straße mit Leuten um dich herum. Das kann später kommen, wenn du dich schon ein bisschen sicherer fühlst.

 

3. Skripte deine Videos

Als jemand, der selbst vor der Kamera steht, habe ich gemerkt, wie wichtig es ist, meine Videos zu skripten. Das hilft mir ungemein, meine Gedanken zu ordnen und meine Worte in einem logischen und schlüssigen Kontext zu präsentieren.

Wenn du ein Video drehst, willst du im ersten Reflex meistens einfach drauflos zu sprechen um “es schnell hinter dir zu haben”.

Aber ohne ein Skript neigt man dazu, unstrukturiert zu reden. Das kann schnell chaotisch wirken und macht es schwieriger, das Video später zu bearbeiten.

Außerdem wirkst du dadurch weniger professionell und wenn du selbstbewusster wirken möchtest, ist ein professionelles Auftreten definitiv von Vorteil.

Ein gut strukturiertes Skript gibt dir dabei einen festen Halt. Du weißt genau, was du als Nächstes sagen willst, und das gibt dir Sicherheit.

Das bedeutet nicht, dass du starr an deinem Text kleben musst, aber du hast eine klare Struktur, die dir hilft, den roten Faden nicht zu verlieren.

Ich habe früher mit Stichpunkten gearbeitet, aber das war meist nicht ausreichend, um meine Gedanken klar und deutlich zu vermitteln.

Inzwischen finde ich es viel effektiver, meine Skripte komplett auszuformulieren. Das bedeutet, dass ich mir vor dem Dreh genau überlege, was ich sagen möchte und wie ich es formulieren will.

Häufig schreibe ich dafür zuerst einen Blog-Beitrag zu dem Thema, das ich behandeln möchte. Dieser Blog-Beitrag wird dann sozusagen mein Skript für das Video.

Das ist super praktisch, denn so erzeuge ich gleichzeitig zwei verschiedene Inhalte – einmal für meinen Blog und einmal für mein YouTube-Video.

Durch die klare Struktur in meinem Skript weiß ich immer, was ich als Nächstes sagen werde, und das verleiht mir eine gewisse Ruhe und Sicherheit - wodurch ich insgesamt selbstbewusster wirke!

 

4. Verstelle dich nicht vor der Kamera

Gerade wenn du dir Anfägertipps für Youtube anschaust, bekommst du oft den Ratschlag sehr charismatisch zu sein und deine Zuschauer auf eine besondere Art anzusprechen, um eine Verbindung aufzubauen.

Dieser Rat kann in manchen Fällen sicherlich hilfreich sein, vor allem, wenn man sich einige der größten YouTube-Kanäle ansieht, die meist tatsächlich von sehr charismatischen Persönlichkeiten geführt werden.

Aber für mich habe ich herausgefunden, dass es viel einfacher und angenehmer ist, einfach ich selbst zu sein.

Wenn du dich ständig verstellen musst, sobald die Kamera läuft, ist das auf Dauer zum einen ziemlich anstrengend und dazu noch sehr unnatürlich für dich.

Das ist besonders schwierig, wenn du eher introvertiert bist. Ein ruhiger und strukturierter Ansatz mag vielleicht nicht die breite Masse ansprechen, aber es gibt genug Menschen, die es schätzen, wenn jemand in einem ruhigen und besonnenen Ton spricht.

Und für dich selbst ist es viel angenehmer, vor der Kamera zu stehen, weil du nicht das Gefühl hast, jemand sein zu müssen, der du eigentlich gar nicht bist.

Ich habe für mich entschieden, mit der Kamera so zu sprechen, als wäre sie einfach ein guter Freund. Ich stelle mir vor, dass ich mit einem Kumpel rede und ein wenig über ein Thema diskutiere.

Diese Herangehensweise hilft mir, natürlich zu bleiben und ich bekomme oft das Feedback, dass ich sehr authentisch wirke, was wohl bedeutet, dass ich gar nicht so schlecht darin bin, einfach ich selbst zu sein.

Mein Rat an dich ist also, dich nicht zu verstellen. Sei einfach du selbst vor der Kamera. Es ist okay, nicht übertrieben energiegeladen oder übermäßig aufgeregt zu wirken, wenn das nicht deiner wahren Natur entspricht.

Die Zuschauer schätzen Authentizität und werden die Echtheit in deinem Verhalten erkennen und wertschätzen. So kannst du auf lange Sicht eine viel tiefere Verbindung zu deinem Publikum aufbauen, weil sie dir vertrauen und sich mit dir verbunden fühlen, einfach weil du du bist.

 

5. Wie du es schaffst, draußen zu filmen

Draußen zu filmen ist natürlich deutlich schwieriger als bei dir Zuhause.

Doch einige Aufnahmen erfordern einfach, dass du nach draußen gehst. Aber auch hier habe ich ein paar Wege gefunden, wie das für mich leichter geworden ist.

Zunächst habe ich in ein wirklich gutes Smartphone investiert. Warum? Weil ich dann nicht meine große Kamera benutzen muss, die viel mehr Aufmerksamkeit auf mich zieht.

Ich habe das Gefühl, dass Leute dich weniger anstarren, wenn du einfach mit deinem Handy sprichst. Viele sind es gewohnt, dass Leute FaceTime nutzen oder TikTok-Videos drehen. Das wirkt natürlicher und zieht weniger Blicke auf sich.

Falls du die Bildqualität einer richtigen Kamera bevorzugst und nicht unbedingt ein Smartphone verwenden möchtest, ist es auch eine Überlegung wert, einen Freund oder eine Freundin mitzunehmen.

Ich finde, das gibt einem das Gefühl, in einer geschützten Gruppe zu sein. Es fühlt sich sicherer an und man hat das Gefühl, professioneller zu wirken, was wiederum hilft, die Blicke anderer leichter auszublenden.

Natürlich hängt es davon ab, wie du dich fühlst. Manche finden es unangenehmer, von Fremden angestarrt zu werden, während andere es schwieriger finden, vor Freunden Fehler zu machen.

Ich persönlich finde es angenehmer, mit Begleitung zu filmen. Es gibt mir einen zusätzlichen Schub an Selbstvertrauen und macht die Erfahrung viel weniger einschüchternd.

Denk daran, der wichtigste Aspekt beim Filmen im Freien ist, dass du dich wohl fühlst.

So wirst du mit der Zeit immer sicherer vor der Kamera, egal ob drinnen oder draußen.

 

 
Timo Nausch