Vermeide diese 7 Fehler für scharfe Fotos

 

Es ist super frustrierend wenn deine Fotos nicht so scharf sind wie du dir das vorstellst und kann im schlimmsten Fall dazu führen das du mit dem Fotografieren komplett aufhörst. Wenn du es aber schaffst, diese 7 Fehler zu vermeiden, dann steigt deine Ausbeute an scharfen Fotos rapide an!

 

1. Verschlusszeit

Ein sehr häufiger Grund für unscharfe Fotos ist die Verschlusszeit. Viele merken das gar nicht. Man drückt ab, schaut aufs Bild und wundert sich.

Dabei war die Verschlusszeit einfach zu lange. In dieser Zeit bewegt sich etwas. Und schon ist das Foto matschig statt klar.

Wenn sich dein Motiv bewegt, brauchst du eine kurze Verschlusszeit. Ein Vogel, ein spielendes Kind oder ein Auto bleiben sonst nicht stehen. Sie ziehen während der Aufnahme durchs Bild. Das Auge sieht das nicht, die Kamera schon.

Das Ergebnis ist Bewegungsunschärfe. Je schneller sich etwas bewegt, desto kürzer muss die Zeit sein. Ein Baum verzeiht viel. Ein Fußballer nicht.

Die Faustregel ist immer, etwa 2x deiner Brennweite als mindest Verschlusszeit zu nehmen. Mit einem 50mm Objektiv würde ich also mindestens 1/100s als Verschlusszeit einstellen. Wie gesagt ist das aber eine Faustregel und kann je nach Situation angepasst werden, liefert aber einen guten Ausgangspunkt.

In diesem Zusammenhang ist es daher auch relevant, deine Kamera nicht im Automatikmodus fotografieren zu lassen. Andernfalls verlierst du zu viel Kontrolle über deine Einstellungen und kannst nicht gezielt verhindern, dass die passenden Einstellungen gewählt werden.

Aber keine Angst, du musst deshalb nicht direkt zum manuellen Modus greifen und alles einstellen. Ich und viele andere Fotografen nutzen den A-Modus (Zeitautomatik), bei der du die Blende auswählst, und deine Kamera ISO und Verschlusszeit automatisch wählt.

Der Trick dabei ist aber, dass die meisten Kameras dir in diesem Modus die Möglichkeit geben, eine Mindestverschlusszeit einzustellen, z.B. 1/125s. Dadurch musst du dich nicht wahnsinnig viel mit deinen Einstellungen rumschlagen, aber kannst trotzdem sicherstellen, dass du eine ausreichend kurze Verschlusszeit für ein scharfes Foto verwendest.

 

2. ISO & Licht

Hast du zu wenig Licht versucht deine Kamera dir zu helfen und dreht den ISO-Wert hoch. Das Bild wird heller, ja. Aber auch körnig und matschiger. Es verliert Schärfe.

Viele denken dann: Hoher ISO ist böse. Das stimmt nur halb. Das eigentliche Problem ist fast immer zu wenig Licht.

Trotzdem entwickeln viele eine kleine ISO-Angst. ISO bleibt stur auf 100. Für immer. Das Foto ist dann zwar sauber, aber teilweise auch viel zu dunkel. Und ein dunkles Foto gewinnt keinen Schönheitspreis.

Dein wichtigstes Ziel ist, dass man erkennt, was du zeigen wolltest. Erst danach kommt die perfekte Technik. Ein helles Bild mit etwas Rauschen ist fast immer besser als ein dunkler Klumpen ohne Details.

Wenn du mehr Licht brauchst, ist ISO der freundlichste Helfer. Blende und Verschlusszeit haben Nebenwirkungen. ISO auch, klar. Aber meist die geringsten. Wichtig ist nur, es nicht zu übertreiben. Behalte den Wert im Blick und nutze ihn bewusst.

Noch wichtiger als jeder ISO-Wert ist gutes Licht. Es macht Fotos lebendig. Licht mit Richtung sorgt für kleine helle und dunkle Stellen.

Genau dort entsteht der Eindruck von Schärfe. Konturen wirken klarer. Details springen ins Auge. Direktes Sonnenlicht oder eine gezielte Lichtquelle können Wunder wirken.

Trübes, graues Wetter ist dagegen eher langweilig. Alles ist gleich hell. Es gibt kaum Kontraste. Das Bild ist nicht kaputt, aber es wirkt weich. Selbst wenn technisch alles stimmt.

Am Ende zählt der Eindruck. Und gutes Licht lässt Fotos oft schärfer wirken, auch wenn sie es technisch gar nicht mehr sind.

 

3. Fokuseinstellungen

Der Fokus ist dafür da, zu entscheiden, was im Bild scharf sein soll. Das macht meistens der Autofokus. Und ja, der ist ziemlich schlau. Aber eben nicht perfekt.

Wenn du der Kamera alles selbst überlässt, trifft sie manchmal Entscheidungen, die du nicht wolltest. Die Kamera denkt dann zum Beispiel: „Oh, ein Auto!“ Du wolltest aber eigentlich die Person dahinter scharf haben…

Viele Kameras haben zwei wichtige Autofokus-Arten.

  • Der erste ist der Einzelautofokus. Du drückst den Auslöser halb. Die Kamera stellt einmal scharf. Dann bleibt der Fokus so. Das ist super für ruhige Motive. Menschen, die stillstehen. Dinge. Landschaften. Alles, was sich nicht bewegt. Wenn sich dein Motiv aber doch bewegt, kann es schon reichen, dass es einen kleinen Schritt macht. Zack, Fokus weg. Foto unscharf. Autsch.

  • Dann gibt es noch den kontinuierlichen Autofokus. Der verfolgt dein Motiv. Solange du den Fokus aktiv hältst, stellt die Kamera immer wieder neu scharf. Das ist perfekt für Bewegung. Kinder, Tiere, Sport oder Menschen, die auf dich zulaufen. Hier spart man sich viel Frust. Die Kamera bleibt dran. Wie ein kleiner Spürhund mit Objektiv.

Ein weiterer häufiger Fehler ist der Fokusbereich. Viele nutzen den gesamten Bildausschnitt. Die Kamera darf dann selbst entscheiden, wo sie scharfstellt.

Das klappt manchmal gut. Manchmal aber auch gar nicht. Vor allem, wenn viel im Bild los ist. Menschen im Hintergrund. Dinge im Vordergrund. Chaos pur. Die Kamera wird nervös. Verständlich.

Besser ist aus meiner Sicht ein kleiner Fokuspunkt oder Bereich. Den kannst du gezielt auf das legen, was wirklich scharf sein soll. Zum Beispiel auf ein Objekt nahe der Bildmitte. Oder auf das Gesicht einer Person. So weiß die Kamera ganz genau, was du willst.

Kameras sind heute extrem gut. Aber sie können keine Gedanken lesen. Wenn du ihnen klare Ansagen machst, bekommst du auch schärfere Fotos.

Fokus ist kein Hexenwerk. Er will nur bewusst genutzt werden. Und wenn du das einmal verinnerlicht hast, sind unscharfe Fotos plötzlich viel seltener.

 

4. Wärmeflimmern

Wärmeflimmern ist zwar ein etwas ungewöhnlicher Grund für unscharfe Fotos, kann aber durchaus auch ein Prblem für die Schärfe sein. Manchmal ist das Foto unscharf, obwohl du alles richtig gemacht hast. Fokus sitzt. Kamera ruhig. Und trotzdem wirkt das Bild weich.

Wenn der Boden, eine Straße oder ein Feld lange in der Sonne lag, steigt warme Luft auf. Diese Luft bewegt sich. Sie flimmert. Genau wie in Filmen aus der Wüste. Dieses Flimmern liegt zwischen dir und deinem Motiv. Und deine Kamera fotografiert mitten hindurch.

Je weiter dein Motiv weg ist, desto schlimmer wird es. Mit einem Teleobjektiv verstärkt sich der Effekt noch mehr. Du schaust dann durch sehr viel flirrende Luft. Das Bild wirkt unscharf. Egal, wie teuer deine Kamera ist.

Nah dran sein hilft. Bei einem Porträt aus ein paar Metern Entfernung hast du meist kein Problem. Aber ein Vogel am Horizont oder ein Feld in der Mittagshitze? Schwierige Nummer.

Besonders im Sommer. Aber auch im Winter kann das passieren. Zum Beispiel bei Autos. Auspuff an. Kalte Luft draußen. Warme Luft hinten raus. Zack. Flimmern.

Ein Klassiker ist auch das Fotografieren aus dem Auto. Fenster offen. Heizung läuft. Draußen ist es kalt. Um dein Auto herum entsteht eine warme Luftblase. Genau da willst du durch fotografieren. Keine gute Idee. Wenn du aus dem Auto fotografierst, mach die Heizung aus und zieh dich selbst etwas dicker an, so verhinderst du Flimmern.

Am besten ist es, früh am Morgen zu fotografieren. Oder abends. Wenn die Hitze nachlässt. Der Boden ist dann kühler. Die Luft ruhiger. Die Bilder klarer. Schatten und schattige Orte helfen ebenfalls. Unter Bäumen zum Beispiel. Oder drinnen.

Wärmeflimmern ist fies, weil man es meist erst am Bildschirm sieht. Vor Ort merkt man es kaum.

Umso wichtiger ist es, das Problem zu kennen. Dann ärgert man sich weniger. Und plant klüger. Manchmal ist Geduld eben schärfer als jede Kamera.

 

5. Blende

Ein Klassiker ist die Offenblende. Also Blende 1.8 oder 2.8. Klingt erst mal super. Viel Licht. Toller unscharfer Hintergrund. Sieht nach Profi aus.

Das Problem: Der scharfe Bereich ist dann extrem klein. Ein Schritt nach vorne. Ein kleines Wackeln. Oder das Motiv bewegt sich leicht. Zack, schon ist es unscharf. Besonders bei Menschen passiert das ständig. Ein Auge scharf, das andere nicht. Nase scharf, Augen matschig.

Viele denken dann: Meine Kamera kann das nicht. Doch. Es ist aber einfach Physik. Je offener die Blende, desto dünner ist der Bereich, der scharf ist. Wenn dein Fokus nicht perfekt sitzt, verlierst du sofort Schärfe.

Ein einfacher Trick ist abblenden. Statt 2.8 lieber Blende 4, 8 oder auch 11. Der scharfe Bereich wird größer. Mehr vom Motiv liegt sauber im Fokus.

Gerade bei Bewegung oder bei mehreren Personen ist das ein riesiger Vorteil. Deine Trefferquote steigt sofort.

Aber auch hier gibt es eine Grenze. Blende 11 ist ein guter Endpunkt. Wenn du das Objektiv noch weiter schließt, wird das Bild wieder weicher.

Das liegt an optischen Effekten im Objektiv. Klingt kompliziert, ist aber einfach gesagt: Zu kleine Blende = weniger Schärfe. Also nicht denken, dass Blende 22 automatisch besser ist. Ist sie meistens nicht.

Dazu kommt noch ein weiterer wichtiger Punkt. Objektive sind nicht bei jeder Blende gleich scharf. Die meisten sind bei ganz offener Blende etwas schwächer. Die Mitte ist oft okay, die Ränder eher weich.

Sobald du ein paar Stufen abblendest, wird das Bild insgesamt knackiger. Mehr Details. Klarere Kanten. Einfach ein bisschen schärfer eben.

 

6. Qualität der Ausrüstung

Ein Kredo das oft geprädigt wird ist “Gear does not matter”. Das es immer auf den Fotografen ankommt. Bei der Schärfe deiner Fotos ist das aber ausnahmsweise nur halb richtig.

Objektive sind da ein gutes Beispiel. Manche liefern schon bei offener Blende richtig saubere Bilder. Nicht perfekt, aber klar genug, dass niemand sagt: „Oh, das ist unscharf.“

Und dann gibt es Objektive, die bei offener Blende komplett versagen. Alles wirkt weich. Matschig. Als hätte jemand Vaseline auf die Linse geschmiert. Diese Linsen sind meist die “Budget” Sachen, die günstiger gebaut sind. Das merkt man leider.

Das heißt aber nicht, dass du mit günstiger Ausrüstung keine scharfen Fotos machen kannst. Das geht auf jeden Fall. Du musst nur mehr aufpassen.

Du musst wissen, bei welcher Blende dein Objektiv am besten ist. Und du brauchst etwas mehr Geduld und Versuche. Denn oft sind dann nur wenige Bilder wirklich perfekt scharf.

Mit besserer Ausrüstung ist es einfacher. Die Quote steigt. Vielleicht sind acht von zehn Fotos richtig gut. Mit günstigem Equipment sind es eher drei von zehn. Das ist kein Weltuntergang.

Aber du musst entscheiden, wie viel Ausschuss du akzeptierst. Und wie viel Zeit du investieren willst.

Auch die Kamera selbst spielt eine Rolle. Moderne Kameras helfen dir heimlich. Sie gleichen kleine Wackler aus. Zittrige Hände. Schlechte Tage. Eine eingebaute Stabilisierung (“IBIS”) kann dafür sorgen, dass Fotos scharf bleiben, obwohl du eigentlich zu lange aus der Hand fotografierst. Früher wäre das Bild verwackelt gewesen. Heute nicht mehr.

Und dann ist da noch der Autofokus. Ein guter Autofokus ist wie ein treuer Freund. Er lässt dich nicht im Stich. Er bleibt am Motiv dran. Selbst wenn sich etwas bewegt. Bei schwächeren Systemen springt der Fokus gerne mal daneben. Und du merkst es erst zu Hause am Bildschirm. Sehr ärgerlich.

Am Ende ist es eine Mischung. Können ist wichtig. Wissen auch. Aber Technik kann Fehler ausgleichen. Nicht alle. Aber viele. Wenn du weißt, was deine Ausrüstung kann und was nicht, hast du schon viel gewonnen.

 

7. Stabilisierung der Kamera

Viele Fotos werden nicht unscharf, weil der Fokus falsch ist. Sondern weil die Kamera wackelt.

Das Beste gegen Wackeln ist natürlich ein Stativ. Die Kamera steht still. Sie bewegt sich nicht. Perfekt.

Das Problem ist nur: Kaum jemand hat immer eins dabei. Ich auch nicht. Meistens fotografieren wir aus der Hand.

Zum Glück hilft uns die Technik ein wenig. Viele Kameras haben eine eingebaute Stabilisierung. Die gleicht kleine Zitterbewegungen aus. Das ist großartig. Aber nur, wenn sie auch eingeschaltet ist.

Du selbst kannst aber auch viel tun. Zum Beispiel mit dem Kameragurt. Der hängt sonst nur rum. Dabei ist er ein echtes Werkzeug. Kamera in die Hände, Gurt um den Hals, dann die Kamera leicht nach vorne ziehen, bis der Gurt straff ist. Du hast nicht mehr zwei, sondern drei Kontaktpunkte. Das macht einen großen Unterschied.

Aber auch ohne Gurt kannst du deine Kamera stabilisieren. Arme nicht frei in der Luft schweben lassen. Zieh sie nah an den Körper. Mach dich klein und stabil. Wenn du zusätzlich durch den Sucher schaust statt auf das Display, wird die Kamera auch noch ruhiger.

Aber auch deine Umgebung kann dir eventuell helfen. Eine Mauer. Ein Geländer. Eine Fensterkante. Lehn die Kamera an. Leg sie ab. Alles, was nicht wackelt, ist dein Freund.

Wenn Leute in Afrika auf Safari sind habe ich schon oft gesehen, dass sie ihr Objektiv an die Fensterkante anlegen. Auch das macht alles ein wenig stabiler.

Du siehst also, auch über deine eigene Technik beim Fotografieren hast du eine Menge Möglichkeiten, Unschärfe in deinen Fotos zu reduzieren.

 

 
Timo Nausch